Mouches volantes
Der Begriff „Mouches volantes“ (frz. „fliegende Fliegen/ Mücken“) stammt aus der Augenheilkunde und ist eine Sammelbezeichnung für alle Arten von Punkten, Fäden, Flecken und Schlieren, die wir subjektiv in unserem Gesichtsfeld wahrnehmen. Manchmal erscheinen diese “Fäden” als Folge von ernsthaften Komplikationen im Auge, meistens jedoch gilt die Erscheinung als normale altersbedingte Trübung des Glaskörpers. Im folgenden soll hier ausschliesslich von diesen in der Medizin als harmlos bezeichneten MV die Rede sein, die bei hellen Lichtverhältnissen im Blickfeld als leicht bewegliche, transparente und vereinzelte Punkte und Fäden wahrnehmbar sind.
Mouches volantes – fliegende Mücken. © Leuchtstruktur Verlag
Augenheilkunde und Psychiatrie
In der heutigen Augenheilkunde werden Mouches volantes meistens als verklumpte Glaskörperstrukturen erklärt, welche durch das altersbedingte Schrumpfen und Verflüssigen des Glaskörpers erfolgen kann. Als einzige Möglichkeit, sie zu entfernen, gilt die sog. Vitrektomie, die teilweise oder vollständige chirurgische Entfernung des Glaskörpers. Oft kommt es vor, dass die Ärzte den Leidensdruck der Patienten nicht nachvollziehen können, denn häufig lässt sich im Auge der Patienten nichts feststellen, obwohl diese über Trübungen im Blickfeld klagen. Während einige Ärzte unter diesen Umständen trotzdem Vitrektomien durchführen, verweisen andere das Problem an die Psychiater. Diese versuchen dann, die seelischen Ursachen dafür zu finden, dass den Patienten die Mouches volantes als so bedrohlich erscheinen.
Spiritualität
Einiges spricht dafür, dass im Bereich der Spiritualität verschiedener Kulturen anders mit Mouches volantes umgegangen wird. Mouches volantes erscheinen hier als geistiges Phänomen und als Objekt der Konzentration und Meditation. So lassen sich geometrische Formen und Strukturen, die den MV ähneln, in den visionären Darstellungen und Schriften von altsteinzeitlichen Felskünstlern, Schamanen im Amazonasgebiet, christlichen Mystikern sowie buddhistischen Yogis und Meistern in Tibet, Japan und China finden.
Ein Beispiel der spirituellen Interpretation von Mouches volantes, das aus unserer Gegenwartskultur stammt, ist das des im Schweizer Emmental wohnenden Sehers Nestor. Nach ihm ist die Erscheinung dieser Punkte und Fäden das Resultat unserer bisherigen (absichtlichen oder unabsichtlichen) Bewusstseinsentwicklung. Mouches volantes würden im Laufe von weiteren spirituellen Fortschritten an Leuchtkraft und Grösse zunehmen. Ein Teil des bewussten Lebens besteht gerade in der regelmässigen Konzentration und Meditation auf Mouches volantes.
Wo also die Augenheilkunde die Mouches volantes als Sehstörung betrachtet, sind diese Punkte und Fäden in der spirituellen Sichtweise eine Erweiterung unserer beschränkten sinnlichen Wahrnehmung. Eine Versöhnung dieser Sichtweisen ist möglich, aber noch weit entfernt.







